Anleitung zu Gewandungen ~ Teil 1

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Tuokki Geneia
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Anleitung zu Gewandungen ~ Teil 1

Beitrag von Tuokki Geneia » 13.02.2016, 14:08

Hallo ihr Lieben,
als Beginn einer kleinen Unterreihe, stelle ich Euch hier nun einmal einige Grundlagen bezüglich der Frage "Wie gewande/verkleide ich mich eigentlich "richtig"?" Ich erhebe dabei keine Anspruch auf Richtigkeit und beziehe mich auch wirklich nur auf grundlegende Dinge. Wer bereits viele Erfahrungen hat und großen Wert auf eine A-Gewandung hat, ist hier definitiv falsch.


Kleines Inhaltverzeichnis:
#1: Wen spiele ich?
#2: Die erste Gewandung




#1: Wen spiele ich?

Es beginnt, wie eigentlich immer, mit dem Charakter, den man gerne spielen möchte. Wie auch im RPG macht man sich Gedanken darüber, welche Rasse man spielen möchte, welche Besonderheiten (Berufe, Eigenheiten, Vorlieben, Abneigungen, Hintergründe, ...) der Charakter hat. Man beschäftigt sich mit ihm und versucht sich somit immer mehr ein Bild von ihm zu machen.
Sollte man grundsätzlich mehr am LARP interessiert sein als am RPG, wird es gern gesehen, wenn man dann seinen Charakter an die persönlichen Gegebenheiten anpasst. Das Stichwort ist hierbei Klischee.

Dafür gibt es einige dont's:
  • * wenn du 1,5m bist und eher korpulent, wäre die Rasse der Elfen eher ungeeignet
    * das Selbe gilt für 2m große, super schlanke Leute, die Zwerge verkörpern wollen während alle anderen eine Nackenstarre bekommen.
    * Tierwesen sind generell eher ungern gesehen, es sei denn, sie werden wirklich gut dargestellt
LARP lebt davon, dass man nicht tausend Mal nachfragen muss, sondern Gegebenheiten klar sieht. Das werdet ihr auch später bei Handlungen merken.
Sollte ihr also trotz dieser dont's (oder gerade wegen ihnen) weiterhin eine Rolle spielen wollen, die theoretisch eurem Äußeren widersprecht, dann spielt sie. Aber spielt sie gut. Spielt sie, als wäre es die Rolle eures Lebens.
Versucht eventuell andere Klischees zu erfüllen, hängt euch einen Hammer an den Gürtel, lasst euch einen Bart wachsen und setzt euch mit einem starken Bier (übrigens alkoholfrei!) zu den anderen Zwergen ans Feuer und singt Durins Lied.



#2 Die erste Gewandung:

Natürlich muss man nicht direkt zu Anfang eine Gewandung für mehrere 100€ kaufen, sondern kann gerade, wenn man sich noch unsicher ist, erst einmal improvisieren. Wichtig ist, dass man mit diesen Improvisationen nicht das Ambiente der anderen Spieler stört. Denn genau wie im RPG, lebt auch LARP vom Miteinander.
Das erste Mal kann es also durchaus reichen, dunkle, schlichte Kleidung zu tragen. (Schwarz ist übrigens nicht nur langweilig und ausgelutscht, sondern erinnert auch immer dezent an Beerdigung und nicht unbedingt an Fantasy :P) Sneakers o.ä. sind natürlich tabu. Eher geeignet sind einfache Lederschuhe, -sandalen oder eben, sollte es die Location und der Charakter erlauben, barfuß.
In so tollen Kreisen wie Dol, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und sicherlich leiht jeder gern einem Anfänger etwas von seiner Gewandungen.
Ein großes Augenmerk sollte man jedoch auf zwei bestimmte Stellen des Körpers haben: der Kopf- und Brustbereich & die Hände.
Das sind die beiden Stellen, auf die der Blick des Gegenübers als erstes fällt (übrigens auch im Alltag). Sind diese zwei Stellen also stimmig und originell genug, so wirkt man gleich viel gewandeter als wäre sie entweder völlig überladen oder eben auch überhaupt nicht verändert.

Um wieder zurück zu den Klischees zu kommen, hier nun einige Vorschläge wie man diese Stellen gerade auch am Anfang gewanden könnte:
  • *Frauen und Männer mit längeren Haaren (die Erfahrung sagt übrigens, dass 15cm völlig reichen) können natürlich mehr oder minder tolle Flecht- und Zopfwerke kreiieren. Darin können auch Naturmaterialien wie Feder, Zweige, Blätter oder aber auch Ketten, Bänder und ähnliches mit eingebunden werden
    * Haarschmuck ist bei fast jeder Haarlänge verwendbar (aber nicht bei jeder Haarlänge unbedingt ansehlich :D) z.B. selbstgemacht/gekaufte Haarreifen, Haarbänder, Kränze, etc
    * der Hals darf auch gern mit einer ambientigen Kette/Gehängen, etc versehen werden. Dabei gilt aber wie immer "viel, ist nicht unbedingt gut"
    * gerade der Brustbereich wirkt bei vielen Gewandungen relativ kahl. Diese große Fläche kann man aufbrechen durch die oben genannten Dekorationen für den Hals, aber auch durch ein platziertes Wappen auf der Brust oder einem hochplatzierten Gürtel
    * fehlen noch die Hände, die wiederum sehr charakterabhängig sind. Während es beispielsweise für manch einen Professor ein Markenzeichen ist, die Hände stets gepflegt und die Nägel schwarz lackiert zu haben, kann ein Elb Stulpen anziehen oder aber der Technikus gerade gar nichts, weil ihn alles bei der Arbeit stören würde. Dabei sollte man dann aber nicht davor zurückzuschrecken, sich eben die Hände der Authentizität halber auch wirklich mal so richtig dreckig voller Schmiere und Staub zu machen.
Der Rest ist eher Beiwerk und sollte einer guten Gewandung theoretisch nicht im Wege stehen, solange es nicht zu sehr von der Norm abfällt.

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Tuokki Geneia
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Re: Anleitung zu Gewandungen ~ Teil 2

Beitrag von Tuokki Geneia » 15.03.2016, 21:32

#3: Wie authentisch wirken?
#4: In der Rolle bleiben



#3: Wie wirke ich möglichst authentisch?

Du hast nun deine erste Gewandung und bist dir im klaren wer und was du spielen möchtest.
Dementsprechend kannst du nun deine Gewandung noch etwas "pimpen". Gerade Anfänger neigen dazu zu "geleckt" auszusehen. Spielst du einen hochnäsigen, peniblen Adligen mag das durchaus gehen. Bei allen anderen solltest du aber gerade auf die Kleinigkeiten achten.
Am Beispiel der Damenwelt: Das Kleid kann noch so schön sein, die Mehrlagigkeit macht es.
Heutzutage tragen die meisten Unterwäsche, eine Hose und ein Oberteil. Früher wurden aber viel häufiger mehrlagig gearbeitet. Denkbare Lagen wäre zum Beispiel Unterrock, Rock, kürzerer Überrock/Gürteltasche, obenrum beispielsweise eine weite Bluse und ein Mieder.
Als nächstes geht es um das Aussehen der Kleider.
Farblich habt ihr in Gwindor relativ freie Hand. Allerdings ist es schön, wenn du nicht nur schwarz rumläufst. Tun wir das nämlich alle, kommt ganz schnell das Gefühl einer Beerdigung auf. Spiele ruhig mit Farben. Achte aber darauf, dass sie nicht zu grell sind und noch immer eher fantasymäßig wirken. Neonpink oder -gelb solltest du vielleicht eher meiden.
Es ist natürlich klar, dass ihr euch über euer neu erworbenes oder genähtes Gewandungsstück freut und es stolz präsentieren wollt. Denkt aber einen kurzen Moment darüber nach. Spielt ihr einen Charakter, der viel durch die Wälder streicht? Habt ihr einen Charakter, der es eher bequem und pragmatisch mag? Viel zu viele haben zu viel Angst ihre Gewandung zu verhunzen, sie dreckig zu machen, aber gerade das kann sie um einiges authentischer machen.
Eine Anleitung zu einigen Methoden findet ihr hier hierzu demnächst unter "Anleitungen".
Kommen wir nun zu euer playweise.
Es gibt einige, die brechen sie schon fast einen ab um möglichst mittelalterlich zu sprechen. Andere geben sich gar keine Mühe. Beides ist nicht unbedingt optimal. Man muss dabei einen goldenen Mittelweg finden.
Bis ihr ein richtiges Gefühl für die Sprechweise entwickelt habt, haltet euch nach Möglichkeit einfach an folgende Regeln:
- meidet Anglizismen (In Ordnung statt okay, ausgezeichnet statt super, auskundschaften statt checken,
- nutzt den Konjunktiv. Das arme Ding wird eh viel zu selten genutzt (Gäbe es etwas für mich zu tun? Das täte mir gut gefallen)
- das schöne "e" ranhängen oder dazutun (Im Buche steht folgendes geschrieben, man halte den Zauberstabe mit der linken Hand, leset nun jene Geschichte)
- Übertreibt nicht. Ihr seid keine Dichter, also brecht Euch keinen ab. Es fällt dann nicht mehr nur schwer zu reden, sondern auch die Zuhörer können leicht genervt reagieren und auf Durchzug schalten. Setzt die obengenannten Tipps also nur bedacht ein.
Sollte übrigens etwas dringendes sein, dass keinen Aufschub haben kann, versucht es nicht ambientemäßig ausdrücken. Es ist oft viel unterstörender, wenn man es kurz und schmerzlos macht, als wenn man minutenlang herumdruckst und womöglich die anderen es gar nicht erst verstehen.
"Achtung, ein Auto von hinten!" vs. "Habt Acht meine werten Gefährten, es nähert sich eine blitzende Drachenkutsche zu Euren Rücken. Möget Ihr doch ein wenig zu Seite rücken, um nicht von dem Feuergespei getroffen zu werden"


#4: In der Rolle bleiben

Gerade beim DMT gibt es immer wieder Leute, die sich darüber beschweren, dass viele nicht in der Rolle bleiben. Das kann vielerei Gründe haben und noch mehr Lösungen:

- Ihr habt gerade nix zu tun und unterhaltet euch über private Dinge
Lösungsvorschläge: Sorgt vor! Es gibt zig Möglichkeiten euch inplay die Zeit zu vertreiben?

* Hat eurer Charakter handwerkliche Talente? Nehmt euch ambientemäßiges Material mit und vertreibt euch die Zeit die mit Handarbeit oder fertig Skizzen für Handwerksarbeiten an
* Seid ihr Schüler? Nutzt ambietige Bücher und tut so als würdet ihr für die Schule lernen (oder tut es tatsächlich xD)
* Seid ihr magisch begabt? Die letzten DMTs haben gezeigt, dass ihr durchaus auch zaubern üben könntet *hust*
* Spiel und Sport: Nix spricht gegen ein Wettrennen, eine Runde Thôr, ein kleines Duell oder ähnliches. Lasst euer Fantasie freien Lauf.
* Arbeite und verdiene dir Punkte/Draken: Räume das Lager auf, nutze deine Berufe und Talente um Geld zu verdienen (Massieren geht immer *grins* oder verkaufe deiner zuvor hergestellten Gegenstände) oder laufe als Kräutersammler/Heiler durch die Gegend und sammle, katalogiesieren Kräuter oder oder oder.

- "Muggel" befinden sich in der Nähe, vor denen ihr nicht all zu sehr inplay sein wollt
* Wartet, sofern möglich, bis sie sich entfernt haben und spielt dann ohne Kommentar weiter. Es ist eher nervtötend, wenn das Play durch Zwischenkommentare diesbezüglich gestört wird. Außerdem könnten sich auch die Muggel gestört fühlen und wir wollen ja einen guten Eindruck hinterlassen ;)

- ihr seit gerade einfach nicht in Stimmung zu spielen
* Auch das ist mal in Ordnung. Zieht euch in einem solchen Fall einfach zurück.


Es hat sich übrigens bewährt bestimmte "Rituale" zu haben, mit denen man in einen Charakter schlüpft und mit welchen man das Play auch wieder beendet. Manche schließen kurz die Augen und visualisieren kurz ihren Charakter, andere machen es an bestimmten Dingen fest (ich lege mir eine bestimmte Kette um, sobald ich den und den Charakter spiele). Finde deinen eigenen Weg, um die auf das Play einzustellen.

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