Abstimmung Schreibwettbewerb

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Gebt hier Eure Stimme für bis zu drei Texte ab.

Umfrage endete am 27.11.2017, 00:50

Gehenna
2
9%
Aus dem Tagebuch eines Ghuls
7
30%
Der erste Ausflug
1
4%
Des Vampires Ballade
5
22%
Haikus
2
9%
How to kill a vampire
6
26%
 
Abstimmungen insgesamt: 23

Gwaithniriel
Beiträge: 56
Registriert: 24.08.2013, 18:47

Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:50

Werte Autoren, verehrte Leser,

nun ist es an der Zeit - Eure mehr oder minder fachkundige und ebenso subjektive Meinung ist gefragt. Ihr habt nun eine Woche Zeit, um die folgenden Texte zum Oberthema "Vampire" zu lesen und für Eure drei Favoriten abzustimmen. Nächste Woche werden die Sieger benachrichtigt und die Preise verliehen.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Autoren und viel Freude allen beim Lesen.

Hochachtungsvoll,
Gwaithniriel

Gwaithniriel
Beiträge: 56
Registriert: 24.08.2013, 18:47

Re: Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:50

Gehenna



Leise knirschten die Steine des Wegen unter ihren Schritten, während sie, von Dunkelheit umhüllt, durch den leeren Park schritt. Ihre Augen huschten durch die Nacht, sahen mehr, als sie hätte sehen sollen.
Ein leichter Wind wehte ihr entgegen, brachte den klaren, kalten Geruch nach Schnee und Eis mit sich und ließ die letzten Blätter in den sonst so kahlen Bäumen sanft rascheln. Dieses leise Flüstern der toten Blätter veranlasste sie dazu, den Kopf zu heben und die Augen zu schließen.
In einer langsamen Bewegung breitete sie die Arme aus und spürte, wie der Wind gleichzeitig stärker wurde.
Der Geruch von Eis wurde überlagert von etwas anderem. Alt und staubig. Luft, die schon seit Jahrhunderten über die Erdkugel wehte und bereits mehr gesehen hatte, als jeder Mensch, jeder Vampir, jeder Werwolf sich hätte vorstellen können.
Sie wurde leichter, immer leichter, bis sie schließlich vom Wind emporgetragen wurde. Hinweg über die Lichter ihrer Heimatstadt, durch die sie bereits mehr als zwei Jahrzehnte wandelte. Hinweg auch über die umliegenden Städte und Dörfer ihrer Heimat und hinaus aufs Meer.
Sie wusste bereits, wo ihr Ziel liegen würde. Sie wusste, wer sie dort erwartete.
Auf ihrem Weg dorthin sah sie Menschen, sah sie Vampire, sah sie Werwölfe und andere Wesen. Kreaturen, deren Namen weder sie noch ein anderen Kainskind kannte, von denen niemand wusste, dass sie überhaupt existierten. Kreaturen von so unglaublicher Dunkelheit, dass selbst sie, die schon alles gesehen hatte, den Blick abwenden musste.
Lieber konzentrierte sie sich auf das Ziel ihres Fluges, ein helles Licht in dem sonst so dunklen Land, in dem alles seinen Ursprung hatte.

Nod.

Heimat des ersten ihrer Art.

Heimat des allmächtigen Vaters.


Die sanften Schwingen des Windes setzten sie sanft in einer Stadt ab, die es schon seit Jahrtausenden nicht mehr gab.
Die Luft schmeckte alt, so uralt und staubig wie sie es nur hier konnte. Hier in der Stadt, die Anfang und Ende bedeutete.
„Kind,“ sprach eine leise Stimme, so dunkel und seidig wie die Nacht, die sie beide umgab. „Der Wind hat dich geleitet und wieder hast du deinen Weg zu mir gefunden.“
Leicht berührte er ihre Schulter, kaum mehr Druck als eine Feder. „Komm mit mir, denn ich habe dir etwas zu zeigen.“
Seine bleichen Hände ergriffen ihren Arm und zogen sie mit sich zur Mitte der Stadt, hin zu dem weißen Palast, der alles überragte.
Schweigend durchquerten sie die leere Stadt und betraten die erste Ebene des Palastes Ghemal. Niemand war zu sehen und doch wusste sie, wer hier einst residiert hatte. Sie sah ihn, Irad, den dritten Sohn des Vaters, der die sterblichen Armeen der Ersten Stadt führte. Sie sah den eisernen Thron, auf den sich der Vater für gewöhnlich zu setzen pflegte, um Gericht über seine Untertanen zu halten. Heute jedoch nicht, denn der Vater war bei ihr und führte sie weiter.
Die zweite und dritte Ebene des Palastes ließen sie unbeachtet hinter sich, ebenso die vierte, bis sie vor den Türen der fünften Ebene standen. Einer Ebene, die bisher noch niemand, sei er sterblich oder unsterblich, je betreten, ja nicht einmal gesehen hatte.
Diese Türen waren es, die der allmächtige Vater nun öffnete.
Wo vorher noch Dunkelheit geherrscht hatte, erstrahlte nun ein helles, warmes Licht, dass sie beide umfing.
„Sieh mich an, Kind.“
Langsam wandte sie sich um und hob ihren Blick, um das Antlitz des Vaters zu erblicken. Was sie dort sah, ließ sie erstarren. Kein Wort brachte sie heraus, nicht einmal der Schrei, der sich in ihrer Kehle bildete, konnte sich lösen.
„Es ist Zeit, Kind. Bereite dich darauf vor, denn Gehenna wird kommen.“
Seine Worte verklangen im Wind, der wie ein Sturm über sie beide hinwegfuhr und sie mit sich riss, zurück in den leeren Park, in dem das einzige Geräusch das sanfte Rascheln der Blätter war.
Friedlich, als wäre nichts geschehen.
Doch sie wusste es besser.
Sie hatte dem allmächtigen Vater ins Gesicht geblickt und gesehen, wie sein Mal unheilschwanger leuchtete.
Sie hatte in seine Augen geblickt und Gehenna gesehen.
Und doch würde niemand ihren Worten Glauben schenken. Niemand würde dies je tun, denn sie war verflucht.

Und du und deine Kinder möget als einzige die Wahrheit erkennen, doch niemand wird euch Glauben schenken. Dies sei mein Fluch an dich und deine Nachkommen.

Gwaithniriel
Beiträge: 56
Registriert: 24.08.2013, 18:47

Re: Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:51

Aus dem Tagebuch eines Ghuls



Es ist kalt. Mein ganzer Körper zittert. Es fällt mir sogar schwer, den Stift zu halten ohne ihn fallen zu lassen oder so stark zu zittern, dass die Schrift unleserlich wird. Heute ist kein guter Tag. Eigentlich gab es in den letzten Wochen sehr wenig gute Tage und die schlechten Tage mehren sich. An den Kerker gewöhne ich mich langsam. Er sperrt mich häufiger hier ein als früher. Der Entzug raubt mir den Schlaf während meine Gedanken sich ständig in den selben Bahnen drehen und die vielen Fragen meinen Verstand an den Rand des Wahnsinns treiben: Warum verliert er das Interesse an mir? Was hat diese „Neue“, was ich nicht habe? Wann erbarmt er sich das nächste Mal dazu mir sein Blut zu schenken? Bei dem Gedanken an sein Blut fährt mir die Gier eiskalt in die Glieder. Ich brauche es....dringend. Mir ist klar, dass ich süchtig bin und ebenso weiss ich, dass man eine Sucht besiegen kann. Aber … ich will es gar nicht und das macht mir mehr Angst als jede Entzugserscheinung, die mich heimsucht. Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Er ist grausam, er ist kalt, er ist brutal und er sieht nicht mich als eine Person sondern nur als eine Futterquelle, mit der man durchaus Spaß haben kann. Und dennoch.... mein Körper lechzt nach ihm, meine Haut ruft nach seinen Berührungen und mein Verstand fordert seine Aufmerksamkeit. Dieses Band ist so unglaublich stark. Manchmal ertappe ich mich dabei wie ich gedankenverloren über sein Brandzeichen an meiner Schulter streiche. Es tat so weh als er mir das glühende Eisen auf meine nackte Haut gepresst hat. Der Geruch nach verbranntem Fleisch verfolgt mich noch heute ab und an bis in meine Träume. Damals empfand ich blanken Hass gegen diesen Vampir, der mich aus meiner gewohnten, behüteten Umgebung gerissen und mich ins Fegefeuer der Hölle geworfen hat. Seit diesem Tag brenne ich. Verdammt dazu, den Rest meines erbärmlichen Lebens eine Marionette ohne eigenen Willen zu sein, seiner Willkür ausgesetzt und ohne Hoffnung auf ein normales Leben, wie ich es mir früher immer erträumt habe. Mein Verstand droht daran zu zerbrechen, dass ich ihn hasse aber ihn gleichzeitig so sehr liebe. Wie kann das sein? Was stimmt nicht mit mir? Was ist aus der selbstbewussten Frau geworden, die ich war? Sie hat nichts mehr mit der Person gemein, die hier in diesem Kerker liegt, frierend und mit zerfetzten Kleidern. Unfähig sich zu wehren und - schlimmer noch – UNWILLIG sich zu wehren. Die Gedanken an meine Eltern und meine Freunde werden immer seltener, ich scheine mehr und mehr aus der Welt zu gleiten und tiefer in mein düsteres, neues Leben gezogen zu werden. Ich hasse mich selbst dafür, was aus mir geworden ist, manchmal ekel ich mich regelrecht vor mir. Aber mein Weltbild hat sich verschoben, mein Universum ist nun ein anderes. Er ist mein Universum, meine Sonne, meine Gottheit, der Grund warum ich atme und warum mein Herz schlägt. Vielleicht...eines Tages.... macht er mich zu Seinesgleichen, hebt mich in den Status einer unsterblichen Seele. Die Hoffnung schwindet an Tagen wie heute aber sie ist dennoch da, ein ständiges, schmerzendes Pochen im Hinterkopf, nur vorhanden um meine Qual zu verlängern. Ich muss nur durchhalten. Von einer Sekunde zur nächsten, von einer Minute zur anderen. Ich würde dafür beten, aber der Gott an den ich früher geglaubt habe, existiert nicht mehr. An seiner Stelle steht er nun … unverrückbar und für den Rest meines Lebens.

Gwaithniriel
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Re: Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:52

Der erste Ausflug



Der frische Vampir war nervös, als er das erste mal ausflog, um alleine Blut zu erjagen. Würde er ein Opfer finden, welches er leicht beeinflussen konnte? Würde es ihm gelingen, dass es ihn danach auch wirklich komplett vergaß? Zudem musste er zuerst durch den düsteren Wald voller schlimmer magischer Unholde, um vom Schloss seines Clans und seines Meisters in die Stadt zu kommen. Bisher hatte er das alles nur mit seinem Meister zusammen gemacht und davon war, wenn er es alleine gemacht hatte, nichts gut genug. Doch es war die Nacht seiner Probe; also flog er alleine als Fledermaus durch die Nacht. Während des Fluges begann er es zu genießen, statt wie sonst den Bahnen seines Meisters zu folgen, wie es ihm beliebte Schlangenlinien sowie auf und ab zu fliegen. Es war eine stark wolkenverhangene Nacht und er liebte diese Finsternis. So kam er eine Weile gemächlich, aber gut voran, doch auf einmal fühlte es sich an, als packte ihn etwas an den Flügeln. Auffiepend versuchte er die Flügel zu befreien und spürte, dass sie an etwas klebten. Es war ein Spinnennetz und zwar ein sehr großes, in das er da herein geraten war. Oh nein, das konnte nur eines bedeuten: er war in dem Netz einer magischen schwarzen Witwe gelandet. Die schwarzen Witwen verspeisten wahrlich gern Männchen, allerdings am liebsten von magischer Art. Sie waren auch viel größer als irgendwelche normalen Spinnen und die Besitzerin dieses Netzes kam schon begeistert auf ihn zugesteuert. Sein Gewackel vorher hatte sie geweckt und darauf aufmerksam gemacht, das etwas ins Netz gegangen war. Fiepend versuchte er sich zu befreien und zog und zerrte. Die Spinne scharrte mit dunkler Frauenstimme: „Oh du armes junges Ding, so verzweifelt, so hilflos und so ungemein delikat wirkend dabei! All dein Wehren hat keinen Sinn. Aus meinen Netzen kommt nie jemand lebend heraus!“ Der Vampir wimmerte etwas und sah sich Hilfesuchend um. Doch die Spinne musste recht haben. Weder seine Krallen noch seine Zähne schienen durchs Material zu kommen und es war weit und breit niemand anderes zu sehen. Dennoch fiepte er noch einmal ängstlich erschrocken, als die Spinne ihn, grünen Schleim sabbernd, zwischen ihre beiden Vorderbeine packte und an sich heran zog. Er kniff schon die Augen zusammen, und verfluchte innerlich seinen Meister, ihn wohl doch zu früh losgeschickt zu haben. Da schrie die Spinne plötzlich gellend auf und ließ ihn los. Erstaunt öffnete er die Augen und wurde fast blind. Ein helles grelles Licht leuchtete direkt auf die Spinne. Er fürchtete schon, es wäre eine Art Sonnenlicht, aber er spürte kein brennen. Also warf er seinen Schall um sich her und versuchte die Quelle des Lichts zu orten. Da nahmen seine Ohren den Schall eines Äuglings auf. Ein Wesen, das aus einem großen Auge, sowie Armen und Beinen bestand. Sie sollen sich vermeintlich von Sonnenlicht ernähren - er wüsste auch nicht wovon sonst, wo sie doch keinen Mund und keinen Magen hatten. Das Auge strahlte weiter dieses grelle Licht in die Richtung der Spinne, die sich rückwärts verzog, in ihre kleine Höhle im Baum. Die kleine Fledermaus kniff die Augen wieder zu und verließ sich lieber auf den Schall, fiepte aber auch freundlich zum Äugling. Er hatte noch nie davon gehört, das sie jemanden retten, aber auch noch nie, das sie jemandem Schaden zu fügen. Das Äuglein hörte auf zu leuchten und kletterte aufs Netz. Er konnte die Augen wieder öffnen, und erkannte, dass es ein lilafarbenes Auge war. Den kleinen Füßen schien der Klebstoff nicht im Geringsten zu stören. Das Wesen sah ihn an und begann dann ganz schnell zu blinzeln. Jetzt bekam er etwas Angst. Vielleicht wollte es ihn ja doch irgendwie verspeisen? Vielleicht kam er nun vom Regen in die Traufe. Aus dem Augenlid des Geschöpfes tropfte eine silberne Flüssigkeit, die sehr ätzend und seltsam roch. Statt aber ihn damit zu beträufeln, erwischte es die Spinnenweben. Ehe er sich versah, hatte das Äuglein ihn aus dem Netz heraus geätzt und er flatterte freudig in der Luft. Fiepend flog er um das Äuglein und bedankte sich. Ohne Mund oder anderes wusste er nicht wirklich, ob es lächelte, aber es kam ihm sehr freudig vor, als es noch zweimal langsam blinzelte und dann davon schritt. Dabei ging es das Netz entlang auf einen anderen Baum. So mysteriös diese Geschöpfe waren, so sehr war er nun über seine Rettung erleichtert. Dennoch flog er lieber schnell weiter, bevor die Spinne doch wiederkam. Jetzt gab er sehr Acht auf seinen Weg, und hielt sich wesentlich braver an die Predigten, die sein Meister ihm immer gab. Kurz vor der Stadt angekommen flog er zu Boden und verwandelte sich. Ein schneidiger Gentleman in Anzug, das war die Optik seines Meisters. Sonst passte er sich dem stets an, doch jetzt ging er lieber normal: Ein junger Mann, blonde kurze Haare, eisblaue Augen und ein freundliches offenes Lächeln. Schwarze Jeans Hose und schwarzes Shirt mit einem weißen Totenkopf drauf. So, wie er als Mensch einst war. In einem Restaurant Opfer zu suchen fand er zu schwer, also ging er in eine Disko. Andere auch noch etwas jüngere Vampire empfahlen ihm einen Laden, der gerade heute Nacht eine Art Gothic Night hatte. Dinge, zu denen sein menschlicher Bruder wohl auch gerne gegangen war. Nicht dass jener noch leben würde, aber es war etwas, woran sich der Frischlingsvampir noch gut erinnerte. In der Disko war es unglaublich voll. Die feinen Vampirsinne waren nicht begeistert von so viel intensiven Gerüchen und der Lautstärke und er fragte sich gerade, was seine Clan-Kollegen an so etwas mögen könnten, als er sich die Menschen genauer ansah. So viele waren knapp bekleidet und er roch bei genauerem beachten, wie sehr sie alle im Adrenalin- und auch Alkohol-Rausch waren. Leichte Beute, ganz klar. Er grinste und musste sich schellten, als seine Eckzähne kurz ungewollt ein Stück länger wurden. Eine Blonde trat kichernd zu ihm. „Du hast ja coole Zähne! Hast du dir die machen lassen oder hast du was drin dafür, Schnittchen?“ Sie fasste zu seinen Lippen und er wich etwas irritiert zurück. „Das...sind natürlich unechte.“ Er wendete sich ab, ging in eine andere Richtung und in einen anderen Raum, zu einer weiteren Fläche. Der Eingang war so „geschmückt“ als würde man in einen Verlies gehen. Was für ein seltsamer Geschmack. Die Fläche war in viel dunkleres Licht getaucht, die Musik ein bisschen leiser und langsamer, sogar eher schauriger. Zu seiner Verwunderung schienen die Gestalten hier wahrlich weniger getrunken zu haben und entspannter zu sein. Hier war es vielleicht schwerer mit wem zu verschwinden, ohne das es seltsam wirken könnte, aber doch wesentlich erträglicher. Hier gab es kleine gemütliche Sitzecken, die etwas mehr im Dunklen lagen und er wählte eine kleine mit roter Couch und kleinen Tisch. Der Hunger nagte langsam an ihm, aber sein Meister hatte ihn auch Geduld eingebläut, also beobachtete erst mal. Raucherstäbchengeruch irritierte seine Vampirnase ein wenig, aber es war angenehmer als im Raum vorher, also lehnte er sich etwas zurück. Da setzte sich eine schwarzhaarige zierliche Frau neben ihn. Sie hatte einen kurzen Tüllrock, lila schwarz gestreifte Strumpfhosen und eine schwarze Bluse sowie allerhand Silberschmuck an. Was ihn allerdings etwas erschaudern ließ war die schwarze Spinnenbrosche, mit fetten silbernes Kreuz in der Mitte, knapp über ihrem Herzen. Sie lächelte verführerisch mit lila geschminkten Lippen und aus dunkel umrandeten Augen. „Zum ersten Mal hier?“ Er blinzelte kurz erstaunt und nickte dann. „Ja, richtig. Ich bin Aleron...“ Sie fasste auf seine Lippen mit langen silberne Fingernägeln. „Ah...das reicht schon.“ Sie grinste und wieder musste er erschaudern, doch er konnte auch nicht wirklich seinen Blick von ihr abwenden. „Mich nennt man Migalien. Es freut mich, dass du hier her gefunden hast, junger Vampir.“ Er erschrak und wollte aufspringen, doch jetzt wanderte ihre Hand auf sein Bein und sie lächelte. „Keine Sorge, mein junger Freund.“ Auf einmal leuchteten ihre Augen lila. „Du bist hier genau, wo du heute Nacht sein solltest...und noch viele weitere Nächte.“ Von den Augen, die ihn an das ach so freundliche Äuglein erinnerten, gebannt, vermochte er sich nicht mehr zu rühren und dachte sich, dass er wohl wirklich, vom Regen in die Traufe geraten war.

Gwaithniriel
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Re: Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:55


Gwaithniriel
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Re: Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:56

Haikus


Hinter dürren Ästen ragt
mein treuer Freund, Begleiter
der tiefsten Nacht Mond.

Schwer der Erde Duft
Würmer im Gebein und Haar
Der Hunger treibt mich.

Liebe oder Geld
vermiss' ich am meißten nicht
Der Son' grelles Licht.

Gwaithniriel
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Re: Abstimmung Schreibwettbewerb

Beitrag von Gwaithniriel » 20.11.2017, 00:57

How to kill a vampire – a drama in 5 acts (Auszug)





Benefizio – der Vampirjäger in Ausbildung
Meister Malus – der altgediente Vampirjäger
Mirror – die Spiegeltür
Layla – die Fürstin der Nacht
Toth – ein zur Handlung beitragender Rabe
Quader – der Vielseitige
Tempus – der stumme Erzähler
Meister Belgos – Der impulsive Held
Meister Agrippa – Der sonderbare Alchimist Opfer in Akt 2
Meister Tavus – der Philosoph Opfer in Akt 3
AsgaB – Interessanter Bund, der Hinweise bezüglich Kriminalfällen sendet (in dieser Handlung verwalten sie auch den Nachlass der Meister)



Akt 1 Szene 1

Der Erzähler betritt vermummt die Bühne, er scheint aufgebracht und gestikuliert mit weit ausholende Bewegungen, etwas großes eventuell Rundes kommt auf alle Zusehenden und die Mitwirkenden zu. Die nun auseinandergerissenen Arme wirken dramatisch, in aller Richtungen streckt sich die nicht sehr große Gestalt. Scheinbar sind die Geschehnisse unaufhaltbar denn nun weicht es seitlich leicht gebeugt in den Schatten zurück.

Benefizio tritt auf und schleift einen großen Koffer hinter sich her. Es fällt ihm schwer Fuß zu fassen, immer wieder rutschen ihm diese weg.

Benefizio (stoßartig atmend mit letzter Kraft):

Fünf Jahr her dass das Blut mein Eltern geronnen,
seitdem ich meine Ausbildung begonnen,
nun der letzte Meister ist an der Reih´,
(klopfendes Geräusch)
Meister Malus, auf Verderb und Gedeih
öffnet mir eure Vampirjägers Tür
meine Treue schwöre ich euch dafür.

Stimme aus dem Hintergrund:
Krah Krah!

Benefizio:
Meister seid ihr da?

Absolut nachvollziehbarer Weise wird die Tür zu einer spiegelnden Fläche, diese beginnt mit nervtötender Stimme ihn zu beschimpfen.

Mirror:
Du bist niveaulos, und hast kein Leben!

Benefizio (voller Inbrunst):
Ich bin bereit, es für diesen Kampf zu geben!

Die Tür schwingt auf
Mirror:
Dann gehe diesen Weg und verrecke!

Benefizio:
Ich bedecke dich mit dieser Decke!

Benefizio holt aus seinem ansonsten scheinbar leeren Koffer eine Decke, die er über den Spiegel hängt.

??? (die Stimme klingt alt, wie dünnes Papier)
Du hast die Prüfung bestanden, naiver Tor
Komm zügig herein und stell dich vor

Benefizio:
Benefizio werde ich gerufen
ich absolvierte die anderen Stufen
bei Meister Belgos lernte ich Kämpfen,
bei Meister Agrippa von Kräutern und Dämpfen,
Meister Tavus lehrte mich das Denken,
nun soll die List meine Schritte lenken.

???:
Bei den Minderwertigen hast du gelernt,
veraltetes Wissen lau aufgewärmt,
gekämpft hast du noch nie gegen die Bleichen
meinen Ansprüchen wirst du niemals reichen.
Deine lächerliche Statur, mit deinen mickrigen Armen,
deine dumpfen Augen, Vampire haben kein Erbarmen.
Dann will ich mir etwas erheiterndes Gönnen
Trete vor, zeige mir dein ach so herrliches „Können“....

Benefizio tritt hervor. Er schiebt sein Gewand beiseite und eröffnet den Blick auf einen Gürtel voller Fläschchen, Beutel und Pflöcke. Die unbekannte Person, vollkommen im Schatten verborgen lacht kalt.

???:
Du trägst ein fürwahr weibliches Geschmeide,
ich hole schonmal den Beutel für deine Eingeweide,
ich kann hier nichts für dich machen,
Untote können sich nicht zu Tode lachen.
Deine unfähigen Meister sollten sich schämen.
Deine Eltern sich ob deines baldigen Todes grämen.
Geh zurück in deine sichere Kinderstube,
du leichtfertiger, dummer, überheblicher Bube.

Benefizio:
Meine Kinderstube ist längst schon verbrannt
Von Vampiren, die die Hölle hat entsandt
Meinen Eltern, die Kehle grausam entrissen
Ihre Herzen in tausend Stücke gerissen
Mit Müh' und Not konnt' ich entkommen
Und bin viel um die Welt gekommen
Auf kalte Rache seit jenem Tag ich hab stets gesonnen
Und ob dies meine Ausbildung zum Vampirjäger begonnen.

Der alte Meister nickt, eine Erinnerung scheint seinen Geist zu durchzucken. Von schöneren Zeiten, als noch eine ganze Schule seinen Worten Folge leistete. Er erkennt eine entschlossene Verzweiflung, die ihm gut gefällt.

???:
Nun denn wenn du mir absolute Treue schwörst
Jeden meiner Befehle sogleich demütig erhörst,
ausführest jede niedere Machenschaften
Sodass du mir niemals fällst zu Lasten
Darfst du mich als deinen Meister erkennen,
Meister Malus mich die Unwürdigen nennen.

Benefizio:
Habt Dank Meister Malus, Eure Güte ehrt mich sehr
Und ich erfülle mit Freuden Euer Begehr.


Szene 1 Akt 2
Benefizio geht bei Malus in die Lehre. Unter den gelegentlichen Beschimpfungen des Spiegels verbringen die beiden gemeinsam ihre Zeit. Es entwickelt sich ein von Vertrauen und Hingabe geprägtes Lehrling-Meister-Verhältnis. Sie tauschen sogar traute Geheimnis aus.

Tempus betritt die Bühne. Ziemlich nass macht er mit elf Fingern Auf- und Abbewegungen. Dann folgen ausholende Bewegungen mit der Hand und ahmt fliegende Bewegungen nach. Sein Ärmel rutscht hoch. Es scheint als würde er sich mit dem Zeigefinger dort entlang gleiten, wo bei Menschen wohl die Kehle sei.
Eine Eule fliegt heran.

Toth:
Krah Krah

Mirror:
Ihr Schwulis, eine Nachricht ist da.

Benefizio:
Meister seht, eine Nachricht der AsgaB kam herbei
Oh nein, eine Bestie riss meinen alten Meister entzwei
Er war auf der Jagd nach den eiskalten Wesen
Oh nein, wie schrecklich, ich will nicht weiterlesen …

Meister Malus legt seinem gehorsamen Schüler in einer vertrauten Geste die Hand auf die Schulter.

Malus führt fort.
„Ein Forensiker mit unaussprechlichen Namen
Konnte sich in das alte Gemäuer wagen
Er sammelte die herumliegenden Gedärme ein
und folgerte daraus, was geschehen muss sein.
Meister Belgos, reichlich wohlgesonnen,
hat den Kampf wohl stürmisch begonnen.
Nur bewaffnet mit einem stählernen Schwert,
war er sich wohl selbst nichts weiter wert.
Mit überragendem Mut und wenig Verstand,
Stürzte er sich auf sie wutentbrannt!
Versuchte der Bestie den Kopf abzuschlagen.
Diese entriss ihm darauf den Magen.
Nicht lang leiden musste der alte Mann,
der nun nie wieder ein Schwert führen kann.
Drum übersenden wie dieses seinem letzten Gesellen,
In Hoffnung er wird sich besser anstellen.

Es verbleiben Ihnen in freundlichen Gesinnen
die ASgaB und ASgaBerinnen.“

Benefizio versteckt vergrämt sein Gesicht in des Meisters Schurz. Das lange Schwert ist so schwer, dass dessem Spitze auf dem Boden schleift. Tausend Tränen rinnen von des Schülers Wangen. Minuten vergehen bis der Meister des Schülers Kopf anhebt, sodass er der Feuchtigkeit entgeht.

Szene 3 Akt 1

Benefizio konnte sich beruhigen, Meister Malus raucht eine grünlich qualmende Pfeife, während er in seinem Sessel sitzt. Benefizio hat auf einem kleinen Schemel zu seiner rechten einen Platz gefunden auf dem er demütig hockt.
Nachdenklich dreht Meister Malus ein Glas Wein zwischen seinen Fingern.
Benefizio hat das Schwert vom Blut gereinigt, hat es auf seinen Knien liegen und betrachtet es mit wehmütigem Blicke.

Malus:
Nun mein durchnässter Schüler zeigt,
Was du gelernt hast in letzter Zeit.
Beschreibt ohne Lücken und mit viel Geschick,
geklärten und unvoreingenommenen Blick,
Wie hätte Meister Belgos sich vorbereiten sollen,
damit der Kopf des Untoten wäre am Rollen?

Benefizio:
Schon lang ich Eurer Lektionen Hörer gewesen
Hab ein Buch nach dem anderen von Euch gelesen
Um zur Vampirjägers Elite zu zugehören
Und Euch mit meinem Wissen zu betören
Einfältig, dumm, Meister Belgos hat agiert
Und damit sein Schicksal hat boshaft provoziert.
Mit Bedacht und geplant soll man schreiten
Dann auch das Leben einem nicht entgleiten.
Nicht allein das Schwert ist der Bestie Untergang
Sondern bei dem Pflocke wird ihm bang.
Gemacht aus dem Holz der Eiben
muss man ihn tief ins Herze treiben.

Meister Malus:
Doch wenn der Tote verzweifelt verharrt in Reglosigkeit
alles hörend, zu keiner Bewegung imstande zur Zeit,
wie würdest du seine nieder Existenz beenden?
Mit deinen eigenen fähigen Händen?

Benefizio:
Mit meinen eigenen, unfähigen Händen wohl nicht
Dafür ich bin in den starren Augen nur ein Wicht
Doch würde ich sogleich das Schwerte ziehen
Durch den verbleibenden Pflock kann sie nicht fliehen
Dem Kopf, sauber im Genick vom Körper getrennt
Er sich dann blutleer und gänzlich tote nennt.
Ist sein Körper zur Asche zerfallen
Ein Jubelruf aus meiner Kehle tät hallen

Meister Malus:
Wohl gesprochen mein motivierter Schüler
Vampirjagd ist kein Gewerbe für Spieler
Mit Umsicht und flexiblen Gedanken
Werden sich bald Legenden um dich ranken.

Meister Malus und Benefizio begeben sich zur Ruhe. Der Umstand, dass Meister Belgos gestorben ist scheint sie nicht sonderlich zu stören.

Der Erzähler erscheint auf der Bühne. Er zeigt mit aneinandergelegten Händen die an seine Wangen gelegt andeuten das er schlafen könnte. Die Zeiger auf seinem Ziffernblatt drehen sich 7 mal herum.

AKT ENDE


Der Jüngling grad wäscht seine Kleidung im Bache. Da fällt eine Eule polternd vom Dache.

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