Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Antworten
Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 20.12.2015, 14:22

Das spärliche Licht des Sonnenaufganges vertrieb die Dunkelheit der Nacht. Die Umgebung erfüllte silberblaue Helligkeit. Obwohl es hier am Rande des Schattenwaldes nochnicht gänzlich so dunkelmagisch wirkte, spürte ein Jeder dennoch, dass es tief im Schattenwald düster und energetisch zugehen musste.

Der Hüter der neuen Eiche "Arnd Mutbrecht" hockte meditierend an einem Baum, dessen Namen er nicht kannte. In seiner Heimat wirkte die Rinde, wie die eines Buchenbaumes. Doch hier auf Gwindor, das wusste er, bekamen die Dinge und Wesen einen neuen Namen.

Er spürte, wie die Baumwollhose der Knie nach und nach die Feuchtigkeit des Grases aufsaugte. Doch er genoss die Bindung mit der Erde und den Energien, die ihn durch die Meditation durchströmten. Er murmelte vor sich hin: "Muttererde, so häufig schon bat ich dich, um Rat. Wie finde ich den Pfad, der in die Heimat zurückführt. Wie erlöse ich meinen Bruder nur von seiner Blendung."

Ein Vöglein zwitscherte zu seiner Rechten. Ein seichter Windzug ließ die blattlosen Äste knarzen. Atemzüge vergingen, bis eine Stimme erwiederte: "Arnd...Hüter der neuen Eiche. Sie wird dir nicht antworten." Glöckchen klingelten, eine Frau mit heller, beinaher weißer Haut und nachtschwarzen Dreadlocks trat gemächlich zu dem Blondbärtigen heran.

Der Nordmann erwiderte ohne seine Augenlider zu heben: "Xare Mosma, wie häufig schon habe ich dir gesagt, dass du nicht wie meine Mutter bist. Nur sie hätte nun gewusst, was recht wäre. Deine Zahl der erlebten Sommer, die meine bei weitem übertreffen mögen dir dennoch nicht die Weisheit geschenkt haben, zu wissen, was Mutterdes Wille wäre."

Xare Mosma fauchte: "Eure Muttererde hat Euch nicht zu einem Hüter erkoren, damit sie Euch lenkt! Sie hat Euch erkoren, da sie glaubt, dass Ihr für sie und ihre Anhänger die rechten Entscheidungen fällt!"

Arnd öffnete die Augen und richtete sich auf. Er brummte: "Ihr klingt genauso wie Gabrielle. Xare, was wisst Ihr schon davon Menschen hinter Euch zu schützen, während ihr auf dem Schlachtfeld gleicherweise einen Kampf ausfechten sollt!" Er stapfte an der Älteren vorüber in Richtung dorf und warf ihr noch abschließend zu: "Niemand weiß, was zu tun ist!"

Xare rief hinterdrein: "Nichts zu tun, ist jedoch das schlimmste Fehl, was Ihr begehen könnt, Arnd!" Der Blondbärtige war bereits außer Reichweite.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 20.12.2015, 22:51

Als er im Dorf angelangte, empfing ihn gleich die kleine Marta, die mit den Händen aufgeregt an ihrem bunten Kleidchen zupfte. "Arnd, hast du sie gefunden? Hast du mit ihr gesprochen?"

Der Hüter der neuen Eiche blickte das Mädchen für einige Lidschläge fragend an, beugte sich dann jedoch zu ihr hinab. Er sprach: "Marta, warst du abermals im Unterholz und hast Ästchen und Erde in dein Kleid gestoßen?" Das Mädchen ließ sich nicht beirren und fragte weiter: "Na, die wunderschöne Lady. Hast du mit ihr gesprochen? Sie kennt dich! Ganz gewiss. Ihr habt euch schon gesehen. Sie will bestimmt mit dir sprech'n." Arnd wuschelte ihr Haar, erwiderte allerdings nichts, sondern trat zu Marta's Eltern herüber.

"Gilbert, Lemona...Geht das Korn auf dem Waldboden an? Oder müssen wir uns mit den Kartoffeln begnügen?" Martas Vater Gilbert erwiderte: "Die Erde ist nicht wie daheim in Sognefjord, doch für ein, oder zwei Sommer wird es gewiss genügen!" Arnd klopfte dem Bauern zusprechend auf die Schulter und kletterte sodann eine Leiter hinauf, um auf die Ebene der Baumhäuser zu gelangen.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 21.12.2015, 22:20

Die Holzdielen droben, in ein oder zwei Männern Höhe zwischen den Bäumen, waren solide und frisch. Sie trugen den blonden Nordmann mit Leichtigkeit, während er auf eine von ihm gewählte Hütte zuhielt.

Am Ziel angelangt schritt er durch die Türe. Der Jäger hockte am Kaminfeuer und baute Pfeile. Er schaute auf, als sein Anführer eintrat.

"Hornulf, wie ist die Jagd? Findet sich genug Wildähnliches im finsteren Dickicht?" Der Jägersmann lehnte sich etwas zurück und runzelte die Stirn. "Es mag viel Getier im Unterholz kriechen, doch Hardemunter Wild ist es kaum ähnlich. Einen Sommer, vielleicht auch zwei, länger sollten wir hier nicht verweilen Arnd. Deine Mutter...!"
Arnd unterbrach den Jäger: "Hornulf nicht du auch noch!" Er schritt zu einem Hocker und ließ sich dort niedersinken. "Ich zwinge Euch nicht an meiner Seite zu verweilen! Es steht euch allen frei jederzeit heimzukehren!"

"Was für eine Heimat ist es, deren Wohlstand nur aus Plünderungen und Gewalt entspringt?!" Arnd sprach energisch: "Gib mir ein Heer und ich brenne das düstere Pack zu Asche nieder!"

Plötzlich legten sich beruhigende Frauenhände auf seine Schultern. "Beruhige dich! Niemand wünscht sich eine offene Schlacht mit Blutvergießen. Wo ist der besonnene Arnd Mutbrecht, der noch vor einigen Mondläufen schwor, dass er den Zug der Reisenden wieder heimführen wird?, Kalah die Frau des Jägers lächelte den Blonden an.

Arnd seufzte und murmelte: "Die Zeit rinnt mir wie trockener Sand zwischen den Fingern hindurch und hinter jedem Baum erwarte ich einen Feind. Ich wünschte wir würden unseren Gefahren nicht länger den Rücken kehren müssen; ihnen endlich die Stirn bieten.

"Was davon fehlt, um genau das zu tun?!" brummte ein weiterer Mann. Stanik Marmot betrat die Jägerhütte. "Ich mach uns Steintore, die wie Gargylen wirken. Schon sind unsere Gefahren selbst am fürchten." Arnd erhob sich und zwängte sich an dem Steinmetz vorüber.

"Für euch erscheint alles so offensichtlich und leicht! Aber das ist es nicht!"

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 23.12.2015, 21:07

Der weitere Weg führte Arnd über eine Hängebrücke. Sie knarzte, als er über sie hinwegschritt. Ein Blick zurück, doch niemand folgte ihm. Zufrieden nickte sich der Blondbärtige zu und betrat die nächste Baumhütte.

"Bogarth?" Es roch nach Kohle und heißem Eisen. Arnd blickte sich um. "Bogarth? Wie steht es um mein Schwert?...Bogarth?...Sentha? Jemand hier?" Niemand antwortete.

Verdrossen machte der Hüter der neuen Eiche kehrt und schritt zurück an das Tageslicht. Er schritt bis zum nächsten Geländer heran und blickte hinab gen Waldboden. "Hat jemand Bogarth oder Sentha erblickt? Sie müssen doch hier irgendwo verweilen?!"

Golite Scharin, die Goldschmiedin kreuzte in jenem Augenblick das Blickfeld. Sie sah zu Arnd hinauf und rief: "Sie sehen beide gerade nach den Hufeisen von Wölkchen und Butterblume auf den Wiesen. Es wird gewiss noch einige Atemzüge brauchen." "Hab Dank Golite!" Die Goldschmiedin nickte zustimmend und ging weiter Ihres Weges.

Arnd hingegen hielt sodann auf die Baumhütte zu, die nur für ihn selbst errichtet worden war. Lange wolfsähnliche Felle verhingen den Eingang. An den Außenwänden verzierten Schnörkel und Ranken das Holz. Einmal eingetreten, schritt der Nordmann zu seinen Öllampen und wetzte den Feuerstein. Funken entzündeten die Dochte und es brachte etwas Licht ins Dunkel.

Sie hatten verzichtet Fenster in die Wände einzulassen. Ohne dies, empfanden die Begleiter der Eiche seine Unterkunft als sicherer.

"Ein Sonnenaufgang voller Vorwürfe und Forderungen." Arnd seufzte setzte sich auf ein Baumwollkissen mit Stroh und begann abermals zu meditieren.
Zuletzt geändert von Arnd am 26.12.2015, 15:37, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 26.12.2015, 15:37

Die kleine Marta war traurig. Arnd hatte ihr nichteinmal so recht zugehört.
Dabei hatte sie in der Vergangenheit nun schon so oft versucht ihrem Anführer ihre kleinen helfenden Hände zur reichen. Selbst, als sie den Brief an die Heilerin auf der Insel Trum geschrieben hatte und diese Heilerin ihnen Decken und einige Gewürze zukommen ließ, hatte Arnd ihren Einsatz nur oberflächlich gewürdigt.

Dann war da der Brief, den sie an die Lady schrieb, die sie hier am Rande des Schattenwaldes offenbar so häufig besuchte. Der Hüter der neuen Eiche schien um ihre Existenz nichteinmal zu ahnen. Vielleicht würde ja sie ihrer Gruppe helfen können. Und doch hörte Arnd Marta nicht richtig zu. Marta fragte sich schon lang, ob die Lady des Waldes soetwas wie eine Märchenelfe, oder eine Waldfee war.

Sie sah Arnd lange nach, während er zu den Baumhäusern hinaufkletterte und bald in der Hütte des Jägers verschwand. Verärgert wandte sie sich ab und stapfte durch Dickicht um zu ihrem Versteck zu gelangen. Ein Baum, der wie eine Trauerweide erschien, mit Ästen die tief hinabhingen.

Unter diesem Baum versteckte sie sich stets, wenn sie sich unbeachtet und für die Gemeinschaft unnötig vorkam. Sie murmelte unverständliche Worte vor sich hin.

((Ab hier darf gern mit eingestiegen werden!!!))

Benutzeravatar
solaire
Beiträge: 152
Registriert: 04.11.2014, 18:48
Wohnort: NRW

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von solaire » 28.12.2015, 11:50

Der Winter war nun schon so entsetzlich lang. Viel zu lang für die Natur und die Tiere. Der Dauerfrost brachte das Wachstum der Pflanzen zum Erliegen, die Bäume trugen schon viel zu lange keine Blätter oder gar Früchte, das Gras lag begraben und gefroren unter einer Schneeschicht und die Tiere bekamen mehr und mehr Probleme, sich gegen den Hunger und die Kälte zu wehren. Nur in der Nähe von Gorgoroth Wohnort, dem Schattenwald, war der Winter mild und glich mehr einem Herbst. Viele Tiere zogen sich zur Nahrungssuche dorthin zurück, aber auch nur die, die diese weite Strecke schafften. Und selbst hier, so nahe bei dem Drachen, wurde die Natur durch die Überanspruchung der Hungernden langsam etwas gequält.

Salandia, die hochgewachsene Elbin, die nun schon so lange in der Nähe Dol Morguls unterwegs war, kämpfte ebenso mit der Wirkung des unnatürlich langen Winters, hervorgerufen durch die Herrschaft von Isroth zum zweiten Mal in Folge. Als naturverbundenes Volk sind die Elben beinahe unsterblich. Nur wenn die Natur stirbt oder eine gewaltsame Tat erfolgt, kann man den Lebensatem diesen grazilen Wesen aushauchen.

Schon seit Monaten verlor Salandia an Kraft und Energie. Der sonst so lebhafte Energieaustausch und die Interaktion mit der Natur war beinahe zum Erliegen gekommen. Ihr langen, blonden, sonst so seidigen Haare wirkten stumpf, der Schatten unter den grauen Augen war kaum mehr wegzudenken und ihr Lächeln- wenn auch noch vorhanden – hatte an Glanz verloren. Sie bemühte sich an vielen Stellen der Natur und besonders den Tieren zu helfen, schenkte Energie an entkräftete Wesen und begrub die, die sie nicht retten konnte. Sie war schon länger nicht mehr bei Arnd in der Nähe gewesen, jenem blonden Mann, den sie einst auf der Wiese traf und der sie in einem Brief um Hilfe gebeten hatte, auf dessen Erwiderung sie keine Antwort mehr bekommen hatte. Unsicher, ob er nun ihre Hilfe wollte oder nicht, hatte sie sich zurückgezogen. Zu oft ausserhalb ihres Dorfes wurde ihre Art missverstanden oder sie wurde als naiv bezeichnet. Nur das kleine Mädchen, dass ihr einmal diesen Brief geschrieben hatte und dem sie immer mal wieder Körbe mit Nahrung oder kleinen Geschenken vorbeibrachte, schien tatsächlich um Hilfe zu bitten.

Nachdem sie heute wieder einen Igel begraben musste, der aufgrund des zu langen Winterschlafes einfach verhungert war, strich sie sich nun die Tränen aus den Augenwinkeln und beschloss, dem Schattenwald einen Besuch abzustatten. Das hellgelbe, weite Gewand flatterte leicht im Wind, während ihre Füße sich barfuß den Weg über den gefrorenen Boden suchten. Fidei, ihr treuer Freund und Begleiter mit dem Aussehen eines Einhörnchens, lief vor ihr.

„Nun mein Freund, denkst du auch das kleine Mädchen würde sich darüber freuen?“ Sie ging leicht in die Knie um Fidei einen schönen glatten Stein in der Form einer Blume zu zeigen.
oO(Bestimmt Salandia und dir tut etwas weniger Kälte sicher auch gut.) Fidei stupste ihr sanft gegen die Hand und Salandia fuhr über sein weiches Fell.

„Der ganzen Natur tät etwas weniger Kälte gut. Ich mache mir langsam wirklich Sorgen. Lange werden die jungen Triebe und Samen im Boden der Kälte nicht mehr trotzen können und dann wird der nächste Frühling auch nicht besonders grün.“ Sie seufzte leise und blickte Richtung Schattenwald, dem sie sich nun wieder näherte, nachdem sie aufgestanden war. „Was hältst du davon, wenn du dem jungen Mädchen den Stein bringst? Du erkennst sie mittlerweile ja auch, Seelengefährte.“ Die Baumhäuser waren in der Ferne bereits zu erkennen.

oO(Klar, ausserdem wird es mal wieder Zeit von warmen Händen gekrault zu werden) Fidei´s Gedankenstimme klang beinahe etwas neckend als Salandia an einem großen Baum stehen blieb, die Hände an dessen Rinde legte und die Augen schloss. Der Boden war hier bereits nicht mehr gefroren und das Leben war deutlich aktiver.

„Wie gern würde ich die Energie dieses Baumes an alle anderen Bäume jenseits des Schattenwaldes weitergeben.“ Sie öffnete die Augen wieder und blickte erneut auf die Baumhäuser. „Aber alles hat seinen Sinn. Manchmal muss vielleicht etwas kaputt gehen um etwas neues, stärkeres erwachsen zu lassen. Ich gehe davon aus, dass die Natur weiss, was richtig und gut ist.“

Ganz überzeugt klang sie nicht, nachdem sie schon so viele Tiere und Pflanzen hatte sterben sehen.Dennoch breitete sich Hoffnung in ihr aus als sie Fidei den Stein gab und dieser mit dem Geschenk für das kleine Mädchen in der Schnauze loshüpfte.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 28.12.2015, 21:01

Es vergingen noch viele Atemzüge bis sich Marta dazu entschied nicht länger verärgert zu sein. Die Erwachsenen schienen sie bloß alle miteinander zu belächeln. Was vermochte ein Mädchen ihren Alters schon für die Gemeinschaft zu tun, außer ihnen nicht zur Last zu fallen?! Marta würde ihnen beweisen, dass sie es ebenfalls Wert war, ein Teil der Gemeinschaft zu sein.

Das Mädchen blickte sich wachsam um. Dann krabbelte sie auf allen Vieren zu einer Stelle hin, wo sie ein Erdloch gegraben hatte. Mit einem Ruck schlug sie Baumwollstoff bei Seite und legte den für sie so wichtigen Schatz frei. Ein gutes Versteck, denn verbarg sie mit Blättern, Astwerk und Gräsern, was sie in der Erde lagerte; "Körbe".

Sie nahm jenen zur Hand, den sie nochnicht vollendet hatte und griff auch nach den Holzfasern. Dann schlug sie das Versteck zu und hockte sich an den Fuß des Baumes. Geschickt knüpfte sie an, wo sie zuletzt innegehalten hatte.

Sie begann leise zu singen: "Bienen geben Honig fein, Blumen sind gar bunt und rein, Zuckerrüben schenken Süßes, lass uns tanzen, fröhlich sein."

Ihre Fingerchen knoteten und knüpften geschickt, wie es Martas Mutter ihrer Tochter beigebracht hatte. Nun ging Marta nurnoch Blumen Pflücken, sowenn sie einen ihrer selbstgeflochtenen Körbe bei sich trug.

Plötzlich verstummte sie. Marta bemerkte wie ein Tierchen durch das Unterholz huschte. Es bewegte sich erneut. Kannte sie es? Neugierig beobachtete Marta weiter, jederzeit bereit aufzuspringen.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 11.01.2016, 20:57

Während die kleine Marta unter ihrem Baum Körbchen flechtete und gelegentliches Rascheln im Unterholz beobachtete, verbrachte Arnd viele Atemzüge in seinem Baumhaus. Er meditierte, hoffte, bangte und wartete auf den einen Augenblick, der ihm den rechten Pfad aufzeigen würde.

Doch bald hörte er von draußen das gewohnte Glöckchenklingeln der Schamanin. Er wusste darum, dass sie nicht länger ablassen würde, bis der Hüter der neuen Eiche endlich eine neue Entscheidung fällte. Arnd seufzte, als er vernahm wie Xare Mosma durch den Fellvorhang trat.
Sie sprach: Arnd, Ihr verkriecht Euch wie die Bären im kältesten Winter. Sie schritt zu Arnds Kamin und entfachte ein Feuer, um den finsteren Raum mit mehr Licht zu erhellen. Die wenigen Kerzen, die Arnd zuvor entfachte, brachten bloß düsteres Licht ins Dunkel.

Ihr solltet allesamt nicht so viel Hoffnung hegen, dass ich die Vergangenheit zurückbringe. Ich bin nicht wie Mutter. Mutter war erfahren, weise, erfüllt mit stetem Ziel unserem Dorf Fruchtbarkeit zu bescheren. Mutter durfte eine Heimat ihr Eigen nennen!, murrte er.

Doch Xare Mosma ließ sich nicht beirren: Vergaßt Ihr bereits, was Ihr in den Höhlen der östlichen Berge geschaffen habt? Vergaßt Ihr, wieviele Fürsprecher Ihr gewonnen habt? Jedes Weib und jeder Mann der östlichen Berge würde sich nun an Eure Seite stellen!!!

Arnd erhob sich und trat zu Xare an den Kamin heran. Jeder weitere Sonnenlauf der vergeht, lässt meinen Bruder mächtiger und grausamer erscheinen. Ich bin gewiss nicht blind! Doch, wenn ich in dieser gefahrvollen Zeit den Samen der neuen Eiche pflanze, wäre der letzte Schimmer der Hoffnung getilgt, käme dieser winzige Spross gleich ums Leben.

Xare Mosma ergriff seine rechte Hand und drehte die Innenfläche nach Oben. Sie spuckte hinein und Arnd zuckte. Dann griff sie nach seiner anderen Hand und Arnd ließ sie gewähren. Er kannte ihre sonderlichen Methoden. Dann schlug sie seine Hände zusammen und rieb sie aneinander.

Erinnert Euch, wie Ihr mit den Männern die Baumhäuser errichtet habt. Ihr spucktet in die Hände...erinnert Euch daran, wie Ihr die Lichtschächte in den Bergen errichtet habt, Ihr spucktet in die Hände...!, erklärte die Schamanin. Dann grinste sie keck.

Arnd schloss die Augen und sog tief Luft in die Lungen. Die Hände wurden an seinem Surkot trockengerieben. Als er die Augen wieder öffnete war Xare bereits wieder hinaus verschwunden.

Benutzeravatar
solaire
Beiträge: 152
Registriert: 04.11.2014, 18:48
Wohnort: NRW

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von solaire » 11.01.2016, 21:28

Salandia blickte dem zuckenden, buschigen Schwanz ihres gefellten Freundes hinterher, ehe sie sich sanft im Schatten der noch nicht erfrorenen Bäume auf die ebenso nicht tiefgefrorene Erde gleiten ließ. Ihre Hände gruben sich in die dunkelbraune Erde und sie schloss für ein paar Momente die Augen. Wie gut es sich doch anfühlte - diese Energie, dieses Leben, diese Kraft. Ihre Gedanken glitten weg, zu ihrer alten Heimat, zu ihren Vorfahren, zu dem, was sie bereits in Gwindor erlebt hatte und schlussendlich zu den Leuten, die sie hier kennengelernt hatte. Schon erinnerte sie sich an Zarin, den verschlossenen Mann mit dem roten Umhang, den sie nun schon so lange nicht mehr gesehen hatte und auch zu dem harmonischen und sensiblen fuchsohrigen Neil, dessen Stimme bezaubernd weich war. Wie viel doch in so kurzer Zeit geschehen war. Oder zumindest in dem, was sie als kurze Zeit definierte.

Unterdessen hatte sich Fidei geschickt und schnell seinen Weg über den Waldboden in Richtung der Baumhaussiedlung gesucht. Den Stein fest im Maul, sprang er über kleinere Stöcke und hüpfte durch Moos. Plötzlich zuckten seine Öhrchen aufmerksam hoch als er eine Stimme, so jung und unschuldig wie der Sonnenaufgang, vernahm. Das war sie. Nach einem abrupten Richtungswechsel wuselte er durch Unterholz und folgte sowohl seiner Nase als auch seinem Gehör und siehe da: Wie immer täuschten ihn seine Sinne nicht. Beinahe elegant schob er sich an einem Farn vorbei um den Stein vor Marta abzulegen und sie mit den Knopfaugen erwartungsvoll anzusehen.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 13.01.2016, 21:09

Marta hielt abrupt inne, als sie das fremdwirkende Eichhörnchen mit Einhorn vor sich hinhuschen sah. Sie hielt für einige Lidschläge den Atem an, damit sie es unter keinen Umständen erschreckte. Dann erst bemerkte sie das Steinchen, was das Tierchen offensichtlich mitbrachte.

Sie sprach leise: "Uhh, was hast'n du mitgebracht?!" Marta legte das halbfertige Körbchen zur Seite und beugte sich neugierig zu diesem Steinchen hin. Sie fragte weiter: "Willst du hier ein Nest bau'n?" Dann blickte sie einige Atemzüge in diese Knopfaugen hinein.

Währenddessen war Arnd daran eine Phiole mit tiefblau getränktem Baumharz zu suchen. Sie war mit einem geflochtenen, grünblauem Wollband versehen, mit dem er diese Phiole stets an seinem Ledergürtel befestigte. Vielleicht sollte er nun wahrlich wieder beginnen seine Kampfeslust zurückzugewinnen. Mit einem festen Knoten war die Phiole an seinem Gewand befestigt. Dann trat der Hüter der neuen Eiche aus der Hütte hinaus und blickte sich um.

Der Pfad führte ihn erneut in die Schmiedehütte, doch die Schmiede schienen noch immer nicht zurückgekehrt zu sein. Also machte er sich auf den Pfad hinaus auf die Pferdewiese, dort wo sie zuletzt die Ponys abgestellt hatten.

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 29.01.2016, 19:49

Seine Schritte führten ihn die Leiter hinab. Die Ledersohlen berührten den belaubten Boden. Es raschelte nicht, doch musste Arnd achtgeben, dass er auf dem schlüpfrigen Untergrund nicht ausrutschte.

Vorbei an knorrigen Bäumen, durch Geäst und Gestrüpp, hielt er erst inne, als er die weite Wiese vor sich sah. Sein Blick schweifte umher, doch auch hier waren die Schmiede nicht auszumachen. Arnd runzelte die Stirn und schnaubte: "Bei Muttererde, wer hat sie nur verschluckt?!"

Mutig genug aus dem Schutz der Bäume zu treten, hielt der Hüter der neuen Eiche geradewegs auf einen Haufen mit Pferdeäpfeln zu. Das Ziel erreicht, bückte er sich dort nieder und griff herzhaft nach einem besonders Großen dieser Verdauungsreste. Er zerdrückte ihn und spürte, dass er noch warm war.
Seine blauen Augen versuchten Spuren zu erblicken; Fuß oder Hufabdrücke. Doch es schien so, als hätte etwas Mächtiges die Gefährten davongeweht.

Oder gar ein Drache die Ponys geradewegs in die Lüfte gehoben! Arnd überfuhr es wie ein Eisregen. Bisher hatten diese Wyrme ihn und sein Gefolge stets unbehelligt gelassen. Warum gerade nun? Er verengte die Augen zu Schlitzen und murmelte: "Wir haben uns nie für euch interessiert ihr Drachen! Ist es Eifersucht, oder hegt Ihr einfach nur Hunger?" Arnd ballte die Hände zu Fäusten.

Benutzeravatar
solaire
Beiträge: 152
Registriert: 04.11.2014, 18:48
Wohnort: NRW

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von solaire » 08.02.2016, 18:44

Wären Gesichtszüge eines Einhörnchen für Menschen so gut lesbar wie die ihrer Artgenossen, würde Martha ein sich ausbreitendes Grinsen bei Fidei entdecken, der mit der Nase das Steinchen in Richtung Martha stupst. oO(Ist das jetzt dein Ernst? Du glaubst ich könnte mir mit Steinen ein Nestbauen? Das wäre äußerst unpraktisch und vor allen Dingen erstmal unbequem. Du schläfst ja auch nicht in einem Bett aus Steinen...oder?) Fidei´s Näschen zuckt und er sieht Martha an. oO(Ob du mich verstehen kannst?)

Salandia ist derweil etwas weiter gedankenverloren gewandert und kann plötzlich - sehr schwach - eine ihr bekannte Energie spüren. Aufmerksam schaut sie sich um, eine Hand wie immer um einen der nahestehenden Bäume gelegt. Da - ein Geräusch wie von eiligen Schritten. Mit ziemlicher Gewissheit gehörte die spürbare Energie dem blonden Nordmann, mit dem sie schon so lange nicht mehr gesprochen hatte. Jede Energie ist einzigartig, keine gleicht der Anderen aber Arnd´s Energie war sehr extravagant. In ihrem gewohnt eleganten und leichtfüßigen Gang nähert sie sich der Energie und damit auch der Wiese und als sie aus den Schatten des Waldes tritt lächelt sie bereits* "Versucht Ihr Spuren zu lesen oder nutzt ihr den Dung anderweitig? Vielleicht kann man von euch noch etwas lernen, werter Arnd. Ich hoffe ihr verzeiht meine Anwesenheit, wo Ihr sie doch vermutlich nicht unbedingt wünscht aber Fidei bringt ein kleines Geschenk zu der jungen Dame und dann spürte ich Eure Energie." Sie verbeugt sich leicht vor ihm und lächelt ihm offen entgegen, wenngleich sie dabei einen Abstand hält
Zahme Vögel singen ein Lied von Freiheit- wilde Vögel fliegen !

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 02.05.2016, 21:12

Die kleine Marta stutzte einen Augenblick. Sie hatte noch nie ein Tierchen sprechen hören. Doch dieses Eichhörnchen redete offensichtlich mit ihr. Sie lachte und schlug sich erfreut in die Hände. "Uhi, du hast ja Sprache, die ich versteh'! Kann ich dich streicheln?" Marta klopfte in ihren Schoß und hoffte, dass der fluffige Nager sich zu ihr gesellte.

Arnd hingegen richtete sich zu seiner vollen Größe auf und verdüsterte sein Gesicht. "So sehr, wie ich Euer Kommen doch begrüße, so scheint Ihr doch nicht zu verstehen, was ich hier vollführe! Ich bin auf der Suche nach denen aus meinem Gefolge, die mir Schwert und Schild schmieden sollen. Doch sie sind, wie vom Drachen gestohlen!"
Sodann sinkt er etwas in sich zusammen und blickt gen Boden hinab. "Verzeiht meine harschen Worte, doch es ergeht mir wahrlich nicht ganz leicht derzeiten!" Er hebt seinen Blick wieder und mustert Salandia. "Doch, wie ist es mit Euch? Ist es Euch denn in den letzten Sonnenläufen besser ergangen?"

Benutzeravatar
Arnd
Beiträge: 15
Registriert: 06.03.2014, 12:58

Re: Ein Sonnenlauf, wie jeder Vorangegangene

Beitrag von Arnd » 20.11.2016, 12:43

*Ein dumpfes Pochen, dann wurde es lauter und lauter. Es war, wie als würde die Erde beben. Arnd drehte sich herum; dorthin wo der Untergrund von der Herkunft berichtete. Plötzlich schnellten Ponys aus dem Dickicht hervor, darauf die beiden Schmiede, die er doch so sehr gesucht hatte.
Doch irgendetwas war nicht, wie es sein sollte. Die Ponys schnaubten roten Dunst, die Augen der Tiere leuchteten blutrot.
Die beiden Reiter schienen nicht gewillt bei Arnd anzuhalten und plötzlich hoben sie hellglänzende Klingen. Der Hüter der neuen Eiche zuckte zusammen und schon zupfte etwas an seinem Gewand. Als Arnd hinabsah schreckte er abermals auf, Marta harrte blutüberströmt vor ihm, ihr Haupt war halbseitens aufgerissen.
Nur ein Lidschlag, Arnd wandte sich um und die Reiter waren heran...er hob die Arme zur Abwehr, die Klingen gingen auf ihn hinab. Es wurde finster...*

*Schweiß perlte von seiner Stirn, der Atem war hastig und angsterfüllt. Er rieb sich über das zerzauste Haar. Ein Traum - Nie hatte er solch einen wahr zu empfindenden Traum erfahren. Nun war es jedoch geschehen. Langsam und umständlich hob er sich aus der Schlafstatt. Seine Füße trugen ihn zum Kamin heran, das letzte Holz hatte noch etwas Glut. Er legte einige Scheite nach und blies sie an. Der Blick in die aufkeimenden Flammen ließ ihn Gewissheit erfahren. Er musste sich den Gefahren in seiner Heimat stellen...*

Antworten